DORNRÖSCHENGARTEN & KELLERATELIER
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"Erlebnisse aus meinem Dornröschengarten"

LandGang Gartenkolumne

 

Seit März 2017 schreibe ich die Gartenkolumne "Erlebnisse aus meinem Dornröschengarten" für die Zeitschrift LandGang.

Hier finden Sie immer den Artikel aus der aktuellen Ausgabe.

Viel Spaß beim lesen !

Erlebnisse aus meinem Dornröschengarten - Folge 18

07. januar 2020, Garten-Kolumne Ulrike Kraft-Reimers,

 

Kompost ist ja bekanntlich das Gold des Gärtners und die Kompostecke, in der auf magische Weise innerhalb von ein bis zwei Jahren der gesamte Gartenabfall auf einem Haufen landet, gilt zu Recht als das Herz des Gartens. Ein ewiger Kreislauf. Abgestorbene Pflanzenteile landen in einer guten Mischung, das heißt weicher, grüner Rasenschnitt wird über trockenere, holzige Pflanzenreste verteilt, die wiederum mit krautigen Pflanzenresten, Blättern und Küchenabfall bedeckt werden. Feuchtes Zeitungspapier, klein geschredderte Pappe, Holzasche, vom Kater angeschleppte tote Mäuse, Tiermist und alte Topferde sind ebenfalls willkommen. Alles wird schön bunt übereinandergeschichtet und dann geht es los. Feuchtigkeit und Sauerstoff sorgen dafür, dass sich Mikroorganismen, Pilze und diverse Helfer wie Käfer, Asseln, Würmer, Springschwänze, Tausendfüßler und viele andere über unseren Gartenabfall hermachen. Und wie im Märchen, wo die arme Müllerstochter über Nacht Stroh zu Gold spinnt, zersetzen Milliarden von Organismen den Abfallhaufen innerhalb eines Jahres zu unserem beliebten »Gärtnergold«.

Ich verwende meinen Kompost zum Mulchen, als Bodenverbesserer, als Topf- und Pflanzerde, zum Anhäufeln neu gepflanzter Rosen und sogar zur Aussaat. Gesiebt wird nicht. Gröbere Aststückchen werden in einem Eimer gesammelt, landen auf dem frischen Komposthaufen und »impfen« den neuen Haufen mit den anhaftenden Mikroorganismen. Soweit die Theorie. Leider haben irgendwelche Götter den Schweiß vor den Erfolg gesetzt, das heißt der gute, kostbare Kompost muss leider per Hand gelockert, auf eine Schubkarre geschaufelt, durch den ganzen Garten geschoben und dann wieder mit einer kleinen Schaufel oder einem Eimer über den kahlen Beeten verteilt werden. Je nach Größe des Gartens und der Kompostmenge kann das in richtige Schwerstarbeit ausarten. Die Arme werden immer länger, die Bandscheiben ächzen vor Protest und nach den ersten zehn Schubkarren sitze ich oft das erste Mal auf einer Bank und frage mich, was zum Teufel das alles soll und warum ich das hier eigentlich mache.

Sind die ersten Beete gleichmäßig mit schöner, dunkler Komposterde bedeckt, frohlockt mein Gärtnerherz dann doch wieder und ich zwinge meine müden Knochen zum Weitermachen. Da ich immer die Hälfte meiner eigenen Erde für meine Kübel und zum Topfen benötige, gönne ich mir und meinen Pflanzen alle paar Jahre einige Kubikmeter fetter schwarz glänzender Erde aus einer Kompostierungsanlage in unserer Nähe. Auch dieses Mal stand ich wieder vor der Frage: Wie viel Erde benötige ich? Fünf Kubikmeter hatte ich das letzte Mal. Also vielleicht dieses Jahr etwas mehr? Dann muss ich in den trockenen Ecken nicht so geizig sein. Ein Anruf und eine Woche später kam ein großer Lastwagen und brachte mir meine bestellte Erde vorbei. Als ich vor dem gewaltigen Kompostberg stand, kam ich mir mit meiner Schubkarre ziemlich albern vor. Und nicht nur die übliche Frage nach dem »Warum«, sondern auch berechtigte Zweifel an meiner geistigen Verfassung schlichen sich bei mir ein. Was hatte ich da bloß für Mengen bestellt?

Inzwischen sind ein paar Wochen vergangen. Der ganze Garten ist in eine satte, dunkle Kompostdecke gehüllt. Überall gucken Schneeglöckchen, Krokusse, Winterlinge und die ersten Helleborusblüten aus der Erde und leuchten um die Wette. Na, also! Für diesen Anblick habe ich so geschuftet. Und bei dem Gedanken daran, wie sehr sich meine Rosen über die schöne Erde freuen und hoffentlich ganz besonders schön für mich blühen werden, sind meine Rückenschmerzen doch gleich schon deutlich weniger geworden. Ach ja, und die Frage nach dem »Warum« hat sich auch ganz schnell wie von selbst beantwortet.

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© Ulrike Kraft-Reimers

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